Papageno mit Lederjacke
Theaterprojekt: Jungen und Mädchen des Clara-Zetkin-Kinderheims interpretieren Mozarts Zauberflöte neu
VON KATJA MÜLLER, 09.02.10, 18:21h, aktualisiert 09.02.10, 21:56h

HALLE/MZ. Am Anfang stand ein gemeinsamer Opernbesuch. Und wie sich zeigte, sorgte "Die Zauberflöte" für reichlich Inspiration bei den Jungen und Mädchen des Kinderheims Clara Zetkin. Ihre eigene Interpretation des Stücks präsentierten die Kinder jetzt in ihrer Einrichtung: Vor vollem Haus feierte "Papagenos Talisman" Premiere.
---Es sei ein Stück, das die "Zauberflöte" auf eine kindgerechte Ebene holt, meinte Susannah Haberfeld von der halleschen Oper. Gemeinsam mit der Dirigentin Barbara Rucha übernahm sie die künstlerische Leitung des Projekts, das zehn Kinder des Clara-Zetkin-Heims zu kleinen Bühnenstars machte. Improvisation spielte bei der gemeinsamen Entwicklung des Stücks eine große Rolle. Einen Erzähler, der mit Hip-Hop-Gesang in die Geschichte einführt oder die Hauptfigur Papageno als coolen Typ mit Sonnenbrille und Lederjacke, erlebt man eben auch nicht alle Tage.
---Die Spielfreude war den Jungen und Mädchen jedenfalls anzumerken und erst recht der Stolz, als wohl verdienter Applaus nach der Premierenvorstellung losbrach. Dabei war Improvisation noch an ganz anderer Stelle gefragt, denn kurz vor der Premiere musste das Ensemble des Kinderheims zwei krankheitsbedingte Ausfälle kompensieren. Doch schließlich gelang auch die kurzfristige Umstellung des Stücks.
Musikalisch begleitet wurden die Protagonisten nicht zuletzt durch Barbara Rucha am Klavier sowie die Sängerin Edina Kerekes, die mit beeindruckender Stimme die Arie der "Königin der Nacht" präsentierte.
---"Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis", sagte Susannah Haberfeld nach der Aufführung. Angesichts sehr unterschiedlicher sozialer Hintergründe der Kinder sei die Arbeit nicht immer leicht gewesen, zumal es vergleichsweise wenig Zeit für die Entwicklung und Einstudierung des Stücks gab. Seit November trafen sich die künstlerischen Leiter des Projekts einmal wöchentlich mit den Kindern zur Probe. Unterstützung erhielten sie dabei von den Erziehern des Kinderheims sowie der Studentin der Sprechwissenschaften, Angela Unger, und der NT-Schauspielerin Marie Bretschneider.
---Bevor es dann so richtig ernst wurde, stand schließlich ein Intensivprobenwochenende auf dem Programm. "Ich denke unser Ziel, den Jungen und Mädchen einfach etwas mit auf den Weg zu geben, haben wir erreicht", fügte Susannah Haberfeld hinzu.
---Wer sich schließlich fragte, wie der Titel des Stücks entstand, dem wurde die Frage mit einem Einblick in die Lebenswelt der Kinder beantwortet. Am Anfang und Ende der Aufführung stellten sich die kleinen Darsteller einzeln vor und erzählten dem Publikum von ihrem ganz persönlichen Talisman, der sie nicht nur während der Aufführung, sondern während ihres täglichen Lebens begleitet.